BDSM und Asexualität

Die landläufige Meinung ist ja, dass BDSM etwas sehr sexuelles ist, und somit der absolute Albtraum aller Menschen auf dem asexuellen Spektrum. Dabei ist dem noch lange nicht so: Kein Teil von “BDSM” steht für Sex. Und genauso wie die allermeisten Menschen Sex ohne BDSM haben, kann man natürlich auch BDSM ohne Sex haben.

An dieser Stelle muss darauf hingewiesen werden, dass Sex und Intimität zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Intimität ist ein “Zustand tiefer Vertrautheit” [1], welcher die Voraussetzung ist um die Intimsphäre eines anderen Menschen zu betreten, also allernächste körperliche Nähe zu erleben, ohne Unwohlsein hervorzurufen. Gemäss dieser Definition ist Sex immer eine intime Handlung, da sich dies in der Intimspäre abspielt — aber Intimität ist sehr wohl ohne Sex möglich. Viele Menschen auf dem asexuellen Spektrum haben ein Bedürfnis nach körperlicher Intimität, auch wenn sie nicht an sexuellen Handlungen interessiert sind. Als Nebenbemerkung: Es gibt auch asexuelle Menschen, welche Sex als reine körperliche Interaktion mögen, sozusagen erweitertes Kuscheln, aber nicht wegen der sexuellen Anziehung oder Erregung.

Ein intensives BDSM-Spiel setzt genau diese Vertrautheit voraus und bietet intimste körperliche Begegnungen, aber immer mit Respekt für die Grenzen aller involvierter Personen. Und ist somit eine sehr gute Möglichkeit um derartige Bedürfnisse zu befriedigen, ohne sich der gesellschaftlichen Erwartungshaltung auszusetzen, dass körperliche Intimität zu sexuellen Handlungen führen soll/muss/wird.

Quellen:
[1]: https://de.wikipedia.org/wiki/Intimit%C3%A4t

Geschrieben von ralph_himself

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Bei der Pride geht es nicht um BDSM – Wieso wir trotzdem hingehen sollten

Es ist wieder Pride-Saison:
9./10. Juni: Zurich Pride Festival, Pride Parade (Umzug) am 10. Juni, http://zurichpridefestival.ch
15. Juli: CSD Kreuzlingen/Konstanz, http://csd-konstanz.de/
25.-27. August: Pride Ouest Bern, Sternmarsch am 26. August, https://prideouest2017.ch/de/

Entstanden aus den Stonewall-Krawallen 1969 in New York, welche allgemein als die Geburtsstunde der modernen Schwulenbewegung angesehen werden, gibt es heute Prides rund um die ganze Welt. In lauten, kunterbunten Umzügen, den Pride Parades, zeigt die LGBTQIA*-Szene ihre gesamte Vielfalt und weist auf die weiterhin vorhandene Diskriminierung in vielen Lebensbereichen hin.

Das ganze Wochende rund um die Pride Parade findet das Pride Festival statt: Eine grosse Bühne mit Musik, Shows und Spektakel bis spät in die Nacht, Bars, Stände von allenmöglichen Organisationen und Vereinen aus der LGBT*-Szene und vieles weitere. Ausserdem gibt es ein breites Angebot an Workshops, Diskussionsrunden, Sportveranstaltungen und wilde, ausschweifende Parties das ganze Wochenende lang (in Zürich sogar die ganze vorherige Woche!).

Die BDSM-Szene ist bei all diesen Veranstaltungen kaum dabei. Hier sind Gründe, wieso wir dies ändern sollten:
Sowohl die BDSM- wie auch die LGBT*-Szene sind klare Minderheiten und werden dies auch noch lange bleiben. Wir kämpfen zwar für unterschiedliche Dinge, schlussendlich läuft es aber auf ein- und dasselbe hinaus: Das verändern des Status Quos. Von beängstigend grossen Teilen der Gesellschaft ausgegrenzt, als krank und unnatürlich verunglimpft sowie rechtlich gegängelt sind beide; die Gemeinsamkeiten sollten somit offensichtlich sein. Gegen diese komplette Breitseite kommt keine Minderheit an, entsprechend konzentrierten sich die Bemühungen auf Nebenschauplätze und Scheinlösungen wie die Ehe für homosexuelle Paare oder das gesellschaftsfähige Darstellen von Soft-SM (mit kräftiger Unterstützung einer zweifelhaften Buch- und Filmserie).
Die damalige Schwulenbewegung war in ihren Anfängen komplett anders eingestellt, das Ziel damals war nichts weniger als die verkrusteten Strukturen und Rollenmuster in der Gesellschaft aufzubrechen. Falls das tatsächlich gelungen wäre, hättens wir BDSM’ler nun auch einiges einfacher. Eventuell hätten sie es damals geschafft, wenn die Unterstützung aus anderen Kreisen grösser gewesen wäre. Jedenfalls ist es nun hoffentlich offensichtlich, dass es keine der dringend nötigen grossen Veränderungen geben wird, solange wir im aktuellen Gärtchendenken feststecken.

Dass sich die Pride bzw. die gesamte LGBT*-Szene für BDSM öffnet, zeigt unter anderem die dieses Jahr am Zürcher Pride Festival erstmals stattfindenden Mr. Leather, Mr. Puppy und Mr. Rubber Wahlen. Nächstes Jahr soll es diese drei Kategorien auch für Frauen geben.

Oberflächlich gesehen mögen wir verschiedene Ziele verfolgen, doch eigentlich wollen wir alle das gleiche: Eine Welt, die uns so akzeptiert wie wir sind. Und dafür lohnt es sich wahrlich zu demonstrieren (und feiern sowieso) – gemeinsam! Also kommt zahlreich an die Prides, seid bunt, seid laut, und vor allem seid euch selbst.

Geschrieben von ralph_himself

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YKINMKBYKIOK

Oder ausgeschrieben: Your kink is not my kink but your kink is ok.
Zu Deutsch: Deine Vorliebe ist nicht meine Vorliebe aber deine Vorliebe ist OK.
Dies sollte die oberste Regel im Umgang mit anderen verantwortungsbewussten BDSM praktizierenden sein. Unsere Welt ist so vielfältig, die einen mögen Seile, andere Schmerzen, wieder andere Erniedrigung, und die nächsten noch etwas anderes.
Nur weil man selber etwas nicht versteht heisst dies nicht, dass es schlechter ist als die eigene Vorliebe. Dies soll nicht heissen, dass man alle Vorlieben verstehen muss. Jedoch sollte man sie respektieren so wie man für die eigene Vorliebe Akzeptanz erwartet.
Es ist klar, dass es beispielsweise mehr Menschen gibt, welche Corsetts toll finden als solche, die auf Windeln stehen. Dennoch hat beides seine Berechtigung und sollte auch so behandelt werden.

Wir sind eine eher kleine Szene, welche leider von vielen Menschen mit Skepsis betrachtet wird. Es wäre schade, wenn wir selber einen Teil der Szene ausschliessen nur weil wir nichts mit deren Vorliebe anfangen können. Dies führt nur zu einer Abspaltung und vielen kleinen Szenen in der Szene was schlussendlich nichts zur allgemeinen Akzeptanz von BDSM beiträgt.

Geschrieben von …13…

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Nichtgeschlechtsverkehr

Bei erogenen Zonen denken die Meisten nur an Geschlechtsteile, dabei gibt es so viel mehr: eine Erkundungstour.

Gründe zum Spielen mit den erogenen Zonen abseits der primären und sekundären Geschlechtsteile gibt es viele: Du sehnst dich nach Intimität und Berührungen, hast aber keine Lust auf Sex. Ihr fühlt euch miteinander verbunden, aber noch nicht genug für Geschlechtsverkehr. Du willst Spass ohne dir Gedanken zu machen bezüglich sexuell übertragbaren Krankheiten (STD/STI) oder Verhütung. Ihr wollt euer Vorspiel intensiver gestalten, euch einfach etwas Gutes tun oder mehr über euren Körper lernen.

Die erogenen Zonen sind bei jedem Mensch verschieden — dies ist zugleich eine Herausforderung wie auch eine riesige Chance! Im allgemeinen sind erogene Zonen dort, wo viele Nervenenden sind. Weitere gute Kandidaten sind nur knapp unter der Haut liegende Knochen und grosse Muskelgruppen. Was für Berührungen ihr an diesen Stellen mögt kann sehr unterschiedlich sein. Vom sanften Streicheln mit nur einem Finger über Kratzen mit den Nägeln, mit wenig oder viel Druck, kneiffen, lecken oder beissen: Schlussendlich führt kein Weg am ausprobieren vorbei. Grosse Muskelpartien sind nahezu unverwüstlich und vertragen ein kräftiges Zugreiffen. Bei Knochen und Gelenken solltest du aber vorsichtig sein, dort kann es leicht weh tun. Auch bei der Länge der Bewegungen gibt es Varianten, von kleinen lokalen Streicheleinheiten bis Rückenkratzen über die gesamte Länge der Wirbelsäule vom Haaransatz bis unter die Pobacken. Wie so oft im Leben macht Abwechslung den besten Effekt.

Falls ihr (mindestens) zu zweit seid, gebt euch Rückmeldungen. Geschlossene Augen, der leicht geöffnete Mund, ein kräftiger Atemzug kombiniert mit einem “Ah” oder “Oh” oder Gänsehaut am ganzen Körper sind offensichtliche Zeichen, aber ein konkretes “ja, genau dort!” oder “weniger Fingernägel” kann nie schaden.

Auch bei der Stellung gibt es viele Varianten, welche sich je nach Körperteil mehr oder weniger eignen. Bei gegenseitigen Interaktionen an Kopf, Hals und Rücken ist auf dem Bett sich gegenüber knien eine gute Option, da alle vier Arme zur Verfügung stehen. Beim umschlungen im Bett liegen fallen einer oder sogar zwei Arme aus, dies macht die Bettdecke je nach Temperatur aber locker wett. Für einseitige Streicheleinheiten kann eine Person auf den Bauch liegen und einfach geniessen, während sich der_die Andere_n der gesamten Rückseite von oben bis unten widmen.

Ich werde hier von Kopf bis Fuss erläutern, wo du am besten anfängst zu suchen. Diese Empfehlungen sind zum Teil sehr subjektiv, da vieles davon aus meinem persönlichen Erfahrungsschatz stammt. Sehr wahrscheinlich gibt es an deinem Körper ganz andere, völlig unerwartete Stellen, welche sich super anfühlen — also nach abarbeiten dieser Liste nicht aufhören, sondern weitersuchen! Und noch etwas: lasst euch gaaaaaaaaaaaaanz viel Zeit dabei. Es gibt nichts unentspannteres als nervöse, hastige Bewegungen.

Beim Kopf kannst du kaum etwas falsch machen, da ist alles voller Nerven. Ganz besonders empfehlenswert sind die Lippen (eventuell vorher den Finger mit etwas Speichel anfeuchten) und der gesamte Haaransatz. Je nach Haarlänge kannst du dich in einen Büschel Haare verkrallen und leicht daran ziehen. Manche mögen Berührungen an den Ohren: Mit dem Finger hinter dem Ohr oder durch die Ohrmuschel durchfahren, das Ohr kneiffen, am Ohrläppchen ziehen oder sogar leicht zubeissen. Bei den Knochen sind der Kiefer bis unter die Ohren und die oberen Wangen gute Kandidaten.

Weiter geht es mit dem Hals. Hier solltest du eher vorsichtig sein, da zu kräftiger Druck am Kehlkopf und den Halsschlagadern schnell schmerzhaft sein kann. Leichtes streicheln und vorsichtiges Knabbern auf allen Seiten kommt aber fast immer sehr gut an.

Die Schultern haben einen knochigen Teil (Schultergelenke, Schlüsselbein) und einige oft verspannte Muskeln. Falls du massieren kannst, darfst du gerne kräftiger zugreiffen. Lange, zusammenhängende Streichelbewegungen von den Schultern bis hinauf ins Gesicht oder in die Haare sind ein guter Versuch.

Die Arme sind vor allem auf der Innenseite sensibel. Der eigentliche Geheimtipp sind aber die Hände — mehr Nerven haben wirklich nur die Geschlechtsteile. Halte die Hand mit der Handfläche zu dir, und streichle mit den Fingern ganz leicht über die Handfläche und die Finger, danach zwischen den Fingern. Stecke deine Finger ganz zwischen den Fingern durch und fahre in alle Richtungen. Auf dem Handrücken machst du weiter, falls es kitzelt nimmst du mehr Nägel zu hilfe. Nimm die Fingerspitzen in deine Hand und drücke sie etwas zusammen, oder ziehe leicht daran.

Beim Torso sind der gesamte Rücken inklusive Pobacken und die Seiten von der Hüfte bis hinauf zu den Achseln eine Empfehlung, mit einem speziellen Hinweis auf den seitlichen Brustansatz. Der obere Rücken ist dank dem Brustkorb und starken Muskeln sehr robust, hier kannst du richtig fest drücken; der Übergang zu einer Massage ist sowieso fliessend. Die Pobacken ertragen auch einiges, hier kannst du sogar den Ellenbogen oder das Knie zuhilfe nehmen für mehr Druck. Auf der Vorderseite sind die Brustwarzen, welche bei vielen Männern erogener sind als als gemeinhin angenommen. Achtung, sie können sehr empfindlich sein oder bei entsprechender Behandlung schnell überreizt werden. Bei gefallen kannst du kräftig kneiffen und daran ziehen oder vorsichtig reinbeissen.

An den Beinen gibt es nicht so viele Nerven, aber dafür umso grössere Muskeln. Besonders die Wade lässt sich sehr gut greiffen: Fasse möglichst viel davon mit einer Hand und drücke etwas zu, während du mit den Fingernägeln der anderen Hand die angespannte Haut kratzt, oder mit dem Daumen den Grenzen der einzelnen Muskelgruppen entlang fährst.

Ein weiterer Geheimtipp sind die Füsse, welche ebenfalls sehr viele Nerven haben. Dies kann schon oberhalb des Knöchels beginnen. Im Grossen und Ganzen empfiehlt sich ein ähnliches Vorgehen wie bei den Händen, mit dem Unterschied dass die Ferse und der Fussballen wegen der sehr dicken Haut stärkere Stimulation ertragen. Punktuell starker Druck ist für den Fuss kein Problem und ergibt eine ausgezeichnete Fussmassage.

Das Empfinden all dieser Berührungen hängt immer von der Tagesform ab. Es lohnt sich also, ab und zu wieder neue Körperstellen auszuprobieren; vielleicht kommen sie ja plötzlich besser an als in der Vergangenheit. Ausserdem können die Empfindungen mit einfachen Spielzeugen variiert werden, zum Beispiel mit einer Feder oder einem Eiswürfel. Mit einer Augenbinde oder sogar einem Gehörschutz kann der Berührungssinn stärker in den Vordergrund gerückt werden.

Und nun wünsche ich euch viel Spass beim Erkunden und Geniessen!

Geschrieben von ralph_himself

Auch veröffentlicht im Milchbüechli, Ausgabe #18 (voraussichtlich, Dez ’16)

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