Bei der Pride geht es nicht um BDSM – Wieso wir trotzdem hingehen sollten

Es ist wieder Pride-Saison:
9./10. Juni: Zurich Pride Festival, Pride Parade (Umzug) am 10. Juni, http://zurichpridefestival.ch
15. Juli: CSD Kreuzlingen/Konstanz, http://csd-konstanz.de/
25.-27. August: Pride Ouest Bern, Sternmarsch am 26. August, https://prideouest2017.ch/de/

Entstanden aus den Stonewall-Krawallen 1969 in New York, welche allgemein als die Geburtsstunde der modernen Schwulenbewegung angesehen werden, gibt es heute Prides rund um die ganze Welt. In lauten, kunterbunten Umzügen, den Pride Parades, zeigt die LGBTQIA*-Szene ihre gesamte Vielfalt und weist auf die weiterhin vorhandene Diskriminierung in vielen Lebensbereichen hin.

Das ganze Wochende rund um die Pride Parade findet das Pride Festival statt: Eine grosse Bühne mit Musik, Shows und Spektakel bis spät in die Nacht, Bars, Stände von allenmöglichen Organisationen und Vereinen aus der LGBT*-Szene und vieles weitere. Ausserdem gibt es ein breites Angebot an Workshops, Diskussionsrunden, Sportveranstaltungen und wilde, ausschweifende Parties das ganze Wochenende lang (in Zürich sogar die ganze vorherige Woche!).

Die BDSM-Szene ist bei all diesen Veranstaltungen kaum dabei. Hier sind Gründe, wieso wir dies ändern sollten:
Sowohl die BDSM- wie auch die LGBT*-Szene sind klare Minderheiten und werden dies auch noch lange bleiben. Wir kämpfen zwar für unterschiedliche Dinge, schlussendlich läuft es aber auf ein- und dasselbe hinaus: Das verändern des Status Quos. Von beängstigend grossen Teilen der Gesellschaft ausgegrenzt, als krank und unnatürlich verunglimpft sowie rechtlich gegängelt sind beide; die Gemeinsamkeiten sollten somit offensichtlich sein. Gegen diese komplette Breitseite kommt keine Minderheit an, entsprechend konzentrierten sich die Bemühungen auf Nebenschauplätze und Scheinlösungen wie die Ehe für homosexuelle Paare oder das gesellschaftsfähige Darstellen von Soft-SM (mit kräftiger Unterstützung einer zweifelhaften Buch- und Filmserie).
Die damalige Schwulenbewegung war in ihren Anfängen komplett anders eingestellt, das Ziel damals war nichts weniger als die verkrusteten Strukturen und Rollenmuster in der Gesellschaft aufzubrechen. Falls das tatsächlich gelungen wäre, hättens wir BDSM’ler nun auch einiges einfacher. Eventuell hätten sie es damals geschafft, wenn die Unterstützung aus anderen Kreisen grösser gewesen wäre. Jedenfalls ist es nun hoffentlich offensichtlich, dass es keine der dringend nötigen grossen Veränderungen geben wird, solange wir im aktuellen Gärtchendenken feststecken.

Dass sich die Pride bzw. die gesamte LGBT*-Szene für BDSM öffnet, zeigt unter anderem die dieses Jahr am Zürcher Pride Festival erstmals stattfindenden Mr. Leather, Mr. Puppy und Mr. Rubber Wahlen. Nächstes Jahr soll es diese drei Kategorien auch für Frauen geben.

Oberflächlich gesehen mögen wir verschiedene Ziele verfolgen, doch eigentlich wollen wir alle das gleiche: Eine Welt, die uns so akzeptiert wie wir sind. Und dafür lohnt es sich wahrlich zu demonstrieren (und feiern sowieso) – gemeinsam! Also kommt zahlreich an die Prides, seid bunt, seid laut, und vor allem seid euch selbst.

Geschrieben von ralph_himself

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YKINMKBYKIOK

Oder ausgeschrieben: Your kink is not my kink but your kink is ok.
Zu Deutsch: Deine Vorliebe ist nicht meine Vorliebe aber deine Vorliebe ist OK.
Dies sollte die oberste Regel im Umgang mit anderen verantwortungsbewussten BDSM praktizierenden sein. Unsere Welt ist so vielfältig, die einen mögen Seile, andere Schmerzen, wieder andere Erniedrigung, und die nächsten noch etwas anderes.
Nur weil man selber etwas nicht versteht heisst dies nicht, dass es schlechter ist als die eigene Vorliebe. Dies soll nicht heissen, dass man alle Vorlieben verstehen muss. Jedoch sollte man sie respektieren so wie man für die eigene Vorliebe Akzeptanz erwartet.
Es ist klar, dass es beispielsweise mehr Menschen gibt, welche Corsetts toll finden als solche, die auf Windeln stehen. Dennoch hat beides seine Berechtigung und sollte auch so behandelt werden.

Wir sind eine eher kleine Szene, welche leider von vielen Menschen mit Skepsis betrachtet wird. Es wäre schade, wenn wir selber einen Teil der Szene ausschliessen nur weil wir nichts mit deren Vorliebe anfangen können. Dies führt nur zu einer Abspaltung und vielen kleinen Szenen in der Szene was schlussendlich nichts zur allgemeinen Akzeptanz von BDSM beiträgt.

Geschrieben von …13…

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