Schatten

Vorweg, das Buch wird als Erotikthriller bezeichnet, ist aber für mich eher ein BDSM-Krimi. Und das ist schon alle Negativkritik die ich anbringen kann.

Zum Inhalt: In Wien werden kurz nacheinander drei Frauen gefunden, die an Kreuzen festgenagelt und mit BDSM-Praktiken zu tode gefoltert werden. Aus diesem Grund wird der ehemalige Polizist und jetztige BDSM-Club Besitzer Marcus Wolf zu den Ermittlungen hinzugezogen. Die Spuren weisen sehr schnell darauf hin, dass der Mörder die Frauen in seinem Club findet, was das Ganze für ihn zur persönlichen angelegenheit macht. Mit Hilfe seiner drei Frauen -welche auch seine Subs und mitverantwortlich für den Club sind- macht er sich an die Recherchen. Schnell merken sie, dass es schlimm aussieht, alle Spuren zeigen zu ihnen und nur sie selber wissen mit Sicherheit, dass sie nichts damit zu tun haben. Die Geschichte ist gewürzt mit jeder Menge erstklassigem BDSM.

Die Beziehung zwischen den Hauptprotagonist*innen ist sehr offen und einfühlsam beschrieben, allgemein sind die Charaktere sehr gut geschildert und auch die Sprache gefällt mir.
Man merkt, dass sich der Autor in der Szene auskennt und nicht nur Phantasiert.

Das Buch ist Liebe, es ist BDSM und es regt auch zum Nachdenken an. Ich habe beim Lesen gelacht, geweint, bin spitz geworden, und es ist spannend, was will man mehr?

Andras
Schatten
Heyne Hardcore Verlag
592 Seiten, Taschenbuch
ISBN 978-3-453-43242-0

Geschrieben von …13…

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Das alternative Beziehungs-ABC

Was gibt es eigentlich so neben der klassischen monogamen Päärchenbeziehung? Eine Übersicht.:

Asexuelle Beziehung
Auch asexuelle Menschen gehen Beziehungen ein. Für manche ist sexueller Kontakt in dieser Beziehung keine Option – wohl aber romantische Aktivitäten wie kuscheln. Falls die andere Person nicht asexuell ist, ist eine offene Beziehung eine von vielen möglichen Lösungen. Andere Asexuelle wiederum lassen sich auf Sex ein, weil es für sie eine romantische Aktivität ist («kuscheln++»), oder der_m Partner_in zuliebe.

Beziehungsanarchie ist eine Variante der Polyamorie. Während bei der Polyamorie wichtig ist, dass mensch mit allen involvierten Personen offen kommuniziert, werden bei der Beziehungsanarchie die verschiedenen Beziehungen strikt getrennt, nach dem Motto «Was ich mit anderen Menschen mache, geht dich nichts an».

C

D/s-Beziehung
Dies ist eine Beziehungsform aus der BDSM-Welt. «D» steht für Dominanz, «s» für Submission (Unterwerfung). In dieser Beziehung hat die dominante Person jederzeit das Sagen. Varianten gibt es, ob das Machtgefälle dauernd besteht (24/7), oder nur zu bestimmten Zeiten oder an gewissen Orten (zum Beispiel in der eigenen Wohnung).

Einverständnis
Egal was ihr macht – redet vorher mit eure_r_n Partner_in_nen darüber, und entscheidet euch für eine Lösung, mit der alle involvierten Personen einverstanden sind. Falls jemensch übergangen wird, ist Drama garantiert!

Freund*_?!in
Bei Menschen, welche aus dem binären Männlich-weiblich-Schema fallen, stellt sich die Frage, als was mensch diese bezeichnen will/soll/kann/darf. «Partner» funktioniert auf Deutsch nicht so gut wie im Englischen, wo dieser Begriff geschlechtsneutral ist. «Lover» wäre eine von vielen Möglichkeiten, impliziert aber weniger Verbindlichkeit. Oder ihr entscheidet euch für ganz andere Bezeichnungen wie Zuckerschnäuzli oder Nestwärmerchen =)

Gegenseitigkeit
In nicht-monogamen Beziehungen werden nicht immer beide involvierten Menschen von den vereinbarten Freiheiten im gleichen Ausmass Gebrauch machen. Dies kann so weit gehen, dass die eine Person rein monogam lebt. Ein gutes Beispiel dafür ist eine Beziehung zwischen zwei Personen mit sehr unterschiedlicher sexueller Aktivität: Die eine Person bekommt in der Beziehung alle ihre Bedürfnisse erfüllt, während die andere mehr Abwechslung braucht.

Hauptbeziehung
In offenen (und auch vielen polyamoren) Beziehungen kann es Hierarchien zwischen den Beziehungen geben; oft gibt es eine Hauptbeziehung. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn diese zwei Personen im gleichen Haushalt leben, verheiratet sind, sogar gemeinsame Kinder haben – während die andere(n) Beziehung(en) weniger langfristig, oberflächlicher oder auch einfach geografisch weiter entfernt sind.

I

J

Kommunikation
Die eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen kommunizieren zu können ist ein absolut zentrales Element von allen Beziehungen. Mit mehreren Partner_innen steigt auch der Kommunikationsaufwand! Gute Kommunikation kann gelernt werden: Hängt der Haussegen wegen schlechter Kommunikation schief, dann versucht herauszufinden, was ihr daran verbessern könnt.

L

Monogamie
Solche Auflistungen erwecken oft den Eindruck, dass Monogamie veraltet und uncool ist. Dies ist natürlich nicht der Fall; genauso wie eine Hetero-Beziehung nicht uncooler ist als eine Queere. Dass Monogamiesie für viele Leute aber die unpassende Beziehungsform ist, das zeigen Statistiken zu Seitensprüngen immer wieder eindrücklich.

N

Offene Beziehung
Die offene Beziehung ist die wohl verbreitetste Variante nach der Monogamie. Eine Liebesbeziehung zwischen zwei Menschen wird dabei für (mehr oder weniger regelmässige) sexuelle Abenteuer mit anderen Leuten geöffnet. Ob über die Erlebnisse ausserhalb der Beziehung gesprochen wird oder nicht, solltet ihr vorher abmachen.

Polyamorie
Während in einer offenen Beziehung eine Liebesbeziehung mit mehreren Sexpartner_innen kombiniert wird, gibt es in der Polyamorie mehrere neben- und/oder miteinander existierende Liebesbeziehungen. Die Beziehungen können räumlich und zeitlich getrennt gelebt werden, zum Beispiel heute mit Partner A, morgen mit Partnerin B. Es gibt aber auch Poly-Gruppen, welche zusammen wohnen und alle mit allen irgendwie verbandelt sind.

Queer
Nicht-monogame Beziehungen sind nicht per se etwas Queeres, die Überschneidung der queeren Subkultur mit alternativen Beziehungsformen ist aber sehr gross. Dies ist auch bei anderen Subkulturen der Fall, welche klassisch kirchliche Wert- und Moralvorstellungen über den Haufen werfen, zum Beispiel in der BDSM-Szene.

R

Swingen ist eine rein sexuelle Form nicht-monogamer Lebensweise. An Swinger-Partys (entweder in privatem Rahmen oder in Swingerclubs) haben Swinger_innen Sex mit – je nach dem ganz vielen – anderen Swingenden. Die meisten kommerziellen Swingerclubs richten sich an ein heterosexuelles Publikum , und haben oft eine gegenderte Preispolitik: viel günstiger für Frauen, teurer für Männer.

Terminkalender
Mit steigender Anzahl involvierter Leute steigt auch der Koordinationsbedarf. Online-Tools wie Google Calendar oder ein Gruppenchat auf Whatsapp können super Hilfsmittel sein.

U

Vertrauen
Ja, auch in einer offenen Beziehung kann mensch den_die Partner_in betrügen; zum Beispiel wenn eine Affäre entgegen der Abmachung nicht kommuniziert wird. Besonders wichtig ist, dass ihr eurem_r_n Partner_inn_en vertrauen könnt, dass sie sich an eure Abmachungen bezüglich Safer Sex halten.

Weitere Informationen
Dies ist nur ein kurzer Anriss von einigen Möglichkeiten. Falls dich etwas davon angesprochen hat: Im Internet findet sich zu allem weitere Informationen. Zu jeder Beziehungsform gibt es Foren und Blogs, wo Leute über ihre Erfahrungen damit berichten. Du hast lieber Papier? Das Buch «The Ethical Slut» von Dossie Easton und Janet W. Hardy gilt als Standartwerk zum Thema nicht-monogame Beziehungen.

X

Y

Ziel
Der Weg zum Ziel der für dich perfekten Beziehungsform kann sehr lang sein. Manchmal ein Leben lang. Bis dorthin kannst du viele tolle Menschen kennenlernen, dich in einige davon verlieben, mit jedem davon etwas besser machen als früher, und du wirst trotzdem immer wieder auf die Nase fallen. Niemensch kann dir sagen, wo genau du hin willst, aber einige andere Menschen sind auf dem Weg in die gleiche Richtung. Macht zusammen den Weg zum Ziel, lernt voneinander und aus jedem neuen Erlebnis, und vor allem: Habt Spass dabei!

Geschrieben von ralph_himself

Auch veröffentlicht im Milchbüechli, Ausgabe #16 (Juni ’16)

Wenn euch zu einem der fehlenden Buchstaben noch etwas einfällt schreibt uns doch eine Mail an info@ig-bdsm.ch.

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