Wie BDSM unseren Alltag positiv beeinflusst

BDSM erfordert einiges an Wissen und Erfahrung, belohnt dafür aber nicht nur mit Spass, sondern auch mit vielen Fähigkeiten. Diese sind nicht auf BDSM beschränkt, sondern können in diversesten Lebenslagen eingesetzt werden, vom Umgang mit Mitmenschen bis hin zu besseren Entscheidungen im Berufsleben.

Mut für Neues

Der Einstieg in BDSM ist alles andere als einfach. Man hat gewisse Vorstellungen was auf einen warten könnte, aber es ist quasi ein Sprung ins kalte Wasser. Wer den Einstieg gewagt hat, weiss wie belohnend diese Entscheidung war, und ist eher bereit, in anderen Situationen den Schritt in eine unbekannte, aber hoffentlich strahlende Zukunft zu wagen.

Entdeckungs- und Experiementierfreude

BDSM ist eine riesige Insel voller Buchten, Wälder, Berge, Städte… Während die meisten Leute am liebsten das ganze Leben am gleichen Ort verbringen, wagen sich BDSM’ler in die weite Welt hinaus, denn hinter jeder Kurve lockt etwas bisher Unbekanntes. Besonders belohnend wird das Entdecken, wenn man nicht alleine unterwegs ist, sich an allen möglichen und unmöglichen Orten Inspiration holt und gemäss dem Motto “Irgendwann ist immer das erste Mal” neue Dinge auszuprobieren wagt. Sie haben auch gemerkt, dass “The Magic” wirklich ausserhalb der Komfortzone passiert, dass man manchmal Strapazen auf sich nehmen muss, aber dass sonst alles beim Alten bleibt und man im Alltagstrott versumpfen wird.

Die eigenen Grenzen kennen

BDSM ist so individuell wie die Menschen die es praktizieren. Niemand kann dir sagen, wie weit du dich getrauen wirst – das musst du für dich selber herausfinden. Da man für das Finden der eigenen Grenzen die Komfortzone verlassen muss, scheuen sich viele Menschen davor. Nicht so die BDSM’ler: Je besser man weiss wie weit man gehen kann, desto intensiver werden die Spiele und Begegnungen, ohne ein böses Erwachen danach.

Den (eigenen) Körper kennen

Viele Menschen wissen nicht, wie ihr eigener Körper in Extremsituationen reagiert. Schockstarre, Schwächeanfall, Orientierungslosigkeit? BDSM’ler haben schon Situationen erlebt, von denen andere Menschen nicht mal zu träumen wagen, und kennen dadurch den eigenen Körper in- und auswendig. Dies gibt ihnen in alltäglichen Krisensituationen den entscheidenden Vorteil, dass sie sich nicht erst finden oder fangen müssen, sondern sofort wissen wie sie mit der Situation umgehen können. Dies und ein gutes Verständnis von allgemeiner Anatomie kann in Notsituationen den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen.

Einfühlungsvermögen

Durch Szenen mit vielen Spielpartnern entsteht die Fähigkeit, diverseste Personen anhand von ihrer Körpersprache und ihrer Situation einzuschätzen. Was fühlt die Person, was denkt sie, was will sie? Essenzielle Fragen nicht nur während dem Spiel, sondern auch im Alltag.

Höheres Selbstwertgefühl

Wer schon mal eine 30 cm grössere und 40 kg schwerere Person gedomt hat, kennt das Gefühl der absoluten Unbesiegbarkeit garantiert. Man weiss, dass einem vielleicht nicht ganz alles auf Anhieb gelingen wird, aber dass man über sich hinauswachsen und zu unmöglich geglaubten Höchstleistungen finden kann. Diese “Can Do” Attitüde bringt BDSM’ler in jeder Situation weiter und strömt eine ansteckende Positivität aus, die andere grossartige Menschen anzieht und ihr Leben in allen Aspekten bereichert.

Die eigenen Wünsche formulieren

BDSM’ler lernen die eigenen Wünsche, Erwartungen und Hoffnungen sehr akkurat zu formulieren, so dass Probleme in der Kommunikation von vornherein ausgeschlossen werden. Unklarheiten werden sofort erkannt und mit scharfen Rückfragen präzisiert. Diese verbale Präsenz verhindert nicht nur unangemessene Erwartungshaltungen auf der zwischenmenschlichen Ebene, sondern führt im Berufsalltag zu besseren Leistungen und zufriedeneren Kunden.
Offen mit anderen Menschen über die eigenen Gefühle zu reden erfordert viel Mut. Aber wer anderen seine intimsten Wünsche anvertrauen kann, lernt auch über die negativen Seiten des Lebens zu sprechen. Und in vielen persönlichen Krisen hilft es schon immens, wenn man Leute kennt welche einem einfach zuhören können.

Schlusswort

Viele Punkte davon sind für das Berufsleben derart wichtige Soft Skills, dass “BDSM” eigentlich auf den Lebenslauf gehörte. Nur schade, dass sich die allerwenigsten Arbeitgeber dessen bewusst sind. Wir behalten also alle diese Fertigkeiten für uns um das Maximum aus unserem eigenen Leben zu machen. Und wir Teilen sie mit allen, die bereit sind von uns zu lernen.

Geschrieben von ralph_himself

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Fetischpartys vs. SM-Partys

Bild & Seile: Ropunawa

… und wie man sich an diesen benimmt

Bei Fetischpartys geht es in erster Linie ums sehen und gesehen werden. Der Dresscode ist meist sehr strikt und muss eingehalten werden, sonst riskiert man, nicht reingelassen zu werden.
Dies sind grössere Partys mit vielen Teilnehmern. Es gibt Musik, wird getanzt und es gibt einen abgetrennten Bereich, in welchem man Sex haben kann. Softe Spiele sind eigentlich kein Problem, wenn man “richtig” zu Spielen beginnt ist es teilweise besser, wenn man die Umstehenden oder den Veranstalter/das Sicherheitspersonal zuerst informiert um Missverständnissen vorzubeugen. Dennoch muss man damit rechnen, dass die anderen Paryteilnehmer nicht den nötigen Abstand halten.
Die Eintrittspreise sind eher höher und die Getränke müssen zusätzlich gekauft werden. Es wird Alkohol konsumiert und auch andere Drogen sind nicht unüblich.
Man könnte also kurz zusammengefasst sagen, es ist eine etwas extravagantere und freizügigere Party als anderswo.

Im Gegensatz dazu geht es an einer SM-Party in erster Linie ums Spielen, der Dresscode sollte auch eingehalten werden, ist jedoch meist etwas offener, hier tut es auch “normale” elegante Kleider (Anzug, etc.).
Hierbei wird die Teilnehmerzahl oft Beschränkt so dass alle genug Platz zum Spielen haben. Musik ist zwar oft in gedämpfter Lautstärke vorhanden aber getanzt wird selten, übermässiger Alkoholkonsum ist nicht so gern gesehen. Auch andere Rauschmittel sind verpönt.
Die Preise varieren je nach Veranstalter, oft sind alkoholfreie Getränke und Snacks inbegriffen. Oft gibt es einen Loungebereich zum gemütlichen Beisammensein sowie Spielbereiche.
Wenn jemand am Spielen ist kann man mit genügend Abstand zuschauen. Aber nicht dreinreden und auch nicht in Hörweite das Spiel kommentieren oder über andere Dinge sprechen. Wenn einem das Spiel zu heftig wird, geht man in einen anderen Raum. In ein Spiel eingreifen ist grundsätzlich ein No-Go, einzige Ausnahme ist, wenn ein Bottom ein anerkanntes Saveword (z.B. Mayday) sagt und der Top nicht reagiert. Im Zweifelsfall lieber den Veranstalter dazuholen und ihn entscheiden lassen. Wenn ihr fragen zum Spiel habt könnt ihr diese anbringen, wenn das Spiel inklusive Aftercare vorbei sind.
Private Spielsachen von anderen werden in Ruhe gelassen, allgemein zur Verfügung stehende Dinge nach Benützung gereinigt und versorgt. Auch die Möbel sollten nach der Benützung desinfiziert werden. Desinfektionsmitte steht meist bereit.
Bottoms, welche alleine sind, sind kein Freiwild, fragen kann man aber ein Nein ist immer und bedingungslos zu akzeptieren. Wie überall im Leben kommt man auch hier mit Anstand und Freundlichkeit besser an als mit einem “Hallo Sklavin, knie dich vor mich hin”

Natürlich gibt es auch Mischformen dieser beiden Partys.

Geschrieben von …13…
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Liebe an der Schmerzgrenze

Die Leichtigkeit des Leidens – 16 Gespräche über den Reiz des Sadomasochismus

Wie der Untertitel schon sagt haben die Autoren für dieses Buch 16 Menschen und Paare interviewt. Daraus entstanden ist eine wunderbare Bandbreite an Erfahrungen, Fantasien und Meinungen zu BDSM. Von gelegentlichen Spielen über regelmäsige Spielbeziehungen bis zu 24/7 und TPE (Total Power Exchange) ist alles vorhanden. Auch bei den Personen sind mit der 20-jährigen Studentin, der 32-jährigen Domina, dem 55-jährigen IT-Berater und vielen anderen eine grosse Vielfalt an Individuen anzutreffen. Jeder einzelne lässt uns anschaulich und reflektiert an seinem BDSM teilhaben.

Die Auseinandersetzung mit Sexualität, Schmerz, Dominanz und Submission werden einem in diesem Buch näher gebracht. Jedes der Gespräche hat seinen ganz eigenen Charakter und zeigt die persönliche Sicht auf BDSM der interviewten Person auf. Auch Aspekte des BDSM, welche einem bis anhin unverständlich waren, sind nach der Lektüre besser greifbar.

Er einzige Kritikpunkt ist für mich die vorwiegend heterosexuelle Betrachtung. Trans*themen sind sogar komplett inexistent. Dies ist aber wirklich die Nadel im Heuhaufen, das Buch ist sehr gut geschrieben und auch vom Inhalt absolut empfehlenswert, sei es für Neulinge, alte Hasen oder um Nicht-BDSMlern einen Einblick in unsere Welt zu geben.

Tim Bussen & Stephanie Maria
LIEBE AN DER SCHMERZGRENZE
Die Leichtigkeit des Leidens – 
16 Gespräche über den Reiz des Sadomasochismus
320 Seiten | Taschenbuch
ISBN 978-3-89602-584-5

Geschrieben von …13…

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