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Spiel, bis du stirbst

Ein Krimi, bei welchem die Protagonistin sowohl Detektivin als auch Domina ist. Als die Partnerin ihres besten Freundes ihn unerwartet verlässt und kurz später tot aufgefunden wird beginnt sie auf eigene Faust zu ermitteln. Da die Tote Wunden hat, welche auf BDSM-Praktiken schliessen lassen hat sie dank ihrer Szenenangehörigkeit einen grossen Vorteil zur Polizei, welche dann auch mit ihr zusammenarbeiten will. Zugleich lernt sie eine junge Frau kennen, welche sich in sie verliebt. Bisher immer heterosexuell, weiss sie zuerst nicht, wie sie damit umgehen soll, zumal ihr die Frau auch sehr sympatisch ist.

Die Verschiedenen Handlungsstränge des Buches verbinden und ergänzen sich sehr gut ohne verwirrend zu sein. Es ist sehr flüssig geschrieben und liest sich angenehm. Die Personen sind gut porträtiert ohne sich in überflüssigen Details zu verlieren.

Besonders gelungen ist die Unterscheidung zwischen unserem einvernehmlichen BDSM und dem nicht einvernehmlichen, welches die Mörder praktizieren. Der Autor scheint viel recherchiert zu haben und geht sowohl das BDSM-Thema wie auch die Bisexualität sehr einfühlsam und fern von Klisches an. Es geling ihm, diese Themen so zu beschreiben, dass sie auch für nicht BDSMler/innen nachvollziehbar sein dürften.

Sönke Brandschwert
Spiel, bis du stirbst
Sigrid Böhme Verlag
319 Seiten, Softcover
ISBN 978-3-9427250-0-2

Geschrieben von …13…

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Fetischpartys vs. SM-Partys

Bild & Seile: Ropunawa

… und wie man sich an diesen benimmt

Bei Fetischpartys geht es in erster Linie ums sehen und gesehen werden. Der Dresscode ist meist sehr strikt und muss eingehalten werden, sonst riskiert man, nicht reingelassen zu werden.
Dies sind grössere Partys mit vielen Teilnehmern. Es gibt Musik, wird getanzt und es gibt einen abgetrennten Bereich, in welchem man Sex haben kann. Softe Spiele sind eigentlich kein Problem, wenn man „richtig“ zu Spielen beginnt ist es teilweise besser, wenn man die Umstehenden oder den Veranstalter/das Sicherheitspersonal zuerst informiert um Missverständnissen vorzubeugen. Dennoch muss man damit rechnen, dass die anderen Paryteilnehmer nicht den nötigen Abstand halten.
Die Eintrittspreise sind eher höher und die Getränke müssen zusätzlich gekauft werden. Es wird Alkohol konsumiert und auch andere Drogen sind nicht unüblich.
Man könnte also kurz zusammengefasst sagen, es ist eine etwas extravagantere und freizügigere Party als anderswo.

Im Gegensatz dazu geht es an einer SM-Party in erster Linie ums Spielen, der Dresscode sollte auch eingehalten werden, ist jedoch meist etwas offener, hier tut es auch „normale“ elegante Kleider (Anzug, etc.).
Hierbei wird die Teilnehmerzahl oft Beschränkt so dass alle genug Platz zum Spielen haben. Musik ist zwar oft in gedämpfter Lautstärke vorhanden aber getanzt wird selten, übermässiger Alkoholkonsum ist nicht so gern gesehen. Auch andere Rauschmittel sind verpönt.
Die Preise varieren je nach Veranstalter, oft sind alkoholfreie Getränke und Snacks inbegriffen. Oft gibt es einen Loungebereich zum gemütlichen Beisammensein sowie Spielbereiche.
Wenn jemand am Spielen ist kann man mit genügend Abstand zuschauen. Aber nicht dreinreden und auch nicht in Hörweite das Spiel kommentieren oder über andere Dinge sprechen. Wenn einem das Spiel zu heftig wird, geht man in einen anderen Raum. In ein Spiel eingreifen ist grundsätzlich ein No-Go, einzige Ausnahme ist, wenn ein Bottom ein anerkanntes Saveword (z.B. Mayday) sagt und der Top nicht reagiert. Im Zweifelsfall lieber den Veranstalter dazuholen und ihn entscheiden lassen. Wenn ihr fragen zum Spiel habt könnt ihr diese anbringen, wenn das Spiel inklusive Aftercare vorbei sind.
Private Spielsachen von anderen werden in Ruhe gelassen, allgemein zur Verfügung stehende Dinge nach Benützung gereinigt und versorgt. Auch die Möbel sollten nach der Benützung desinfiziert werden. Desinfektionsmitte steht meist bereit.
Bottoms, welche alleine sind, sind kein Freiwild, fragen kann man aber ein Nein ist immer und bedingungslos zu akzeptieren. Wie überall im Leben kommt man auch hier mit Anstand und Freundlichkeit besser an als mit einem „Hallo Sklavin, knie dich vor mich hin“

Natürlich gibt es auch Mischformen dieser beiden Partys.

Geschrieben von …13…
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Vortrag BDSM und Recht

Liebe User und Besucher

Wie Ihr bestimmt mitbekommen habt, hat Markus von den Wingless Angels vor einiger Zeit, einen Vortrag zum Thema Recht im Bdsm organisiert. Dafür konnte er den Juristen Valentin N. J. Landmann gewinnen.

Eine grossartige Idee wie wir meinen, da Gesetzestexte und Praktiken für Laien doch etwas undurchsichtig sind, und wir uns ja zumindest in einem Graubereich bewegen.

Um dem ganzen noch einen oben drauf zu setzen, hat Omegas Horizon den Vortrag aufgenommen und protokolliert. Grosszügigerweise dürfen wir seine Reinschrift online stellen und somit einen winzigen Teil beitragen, dass dieser tolle Event nicht zu Schall und Rauch wird, sondern nachhaltig nachgelesen werden kann, auch für alle die den Tag verpasst haben.

Ich bedanke mich bei den beiden ganz herzlich für Ihren tollen Einsatz und die Möglichkeit euch dies weitergeben zu dürfen. Es ist grossartig, dass sich Leute engagieren und einen Mehrwert für die Szene kreieren, gerade dort, wo es schwer ist an Informationen zu kommen.

Liebe Grüsse, Pleasetease

Überschreitung der Rechter involvierter Personen

Die Einwilligung – der Schlüssel:

Ohne Einwilligungen in diese Eingriffe, liegen schwere Straftaten vor – in Punkt vier ist keine Einwilligung möglich.

Aber bei konventionellen Sexpraktiken verhält es sich nicht anderes.

Beim BDSM greifen wir in die Rechte einer Person ein:

1. Freiheitsrecht

2. Körperliche und psychische Unversehrtheit 

3. Sexuelle Integrität

4.  Das Leben (bei gefährlichen Praktiken und Unfällen)

Ohne Einwilligungen in diese Eingriffe, liegen schwere Straftaten vor – in Punkt vier ist keine Einwilligung möglich.

Aber bei konventionellen Sexpraktiken verhält es sich nicht anderes.

Gesetzliche Normen:

Verschiedene gesetzliche Normen greifen, liegt keine Einwilligung vor. In einige Rechte und damit Verbunden Praktiken kann nicht eingewilligt werden.

Vergewaltigung und sexuelle Nötigung:

Vergewaltigung liegt vor, wird eine Person zum Beischlaf gezwungen.

Sexuelle Nötigung liegt vor, wird jemand zu Oralsex, Analsex und anderen sexuellen Handlungen gezwungen.

Vorsätzliche Tötung:

Wird jemandem absichtliche das Leben genommen.

Eventualvorsätzliche Tötung:

Dabei geht der Richter davon aus, dass der Tot einer Person mutwillig in Kauf genommen wurde. Dieser Norm kommt zur Geltung, werden Praktiken angewandt, die ein erhebliches Todesfallrisiko haben oder Sicherheitsmassnahmen ausgelassen wurden, um ein Todesfallrisiko zu verhindern oder erheblich zu reduzieren.

Vorsätzliche schwere Körperverletzung:

Kommt es zu einer schweren Körperverletzung, obwohl Praktiken angewandt wurden, die nur zu einer leichten Körperverletzung führen sollten, kommt die vorsätzliche schwere Körperverletzung zum Tagen. Beispiel: Eine Schlägerei mit blauen Augen ist einfache Körperverletzung, erleidet jemand einen Hirnschaden, handelt es sich um vorsätzliche schwere Körperverletzung (viele dieser Verfahren wurden erfolgreich geführt).

Fahrlässige Tötung:

Unterlässt man alle notwendigen Sorgfaltshandlungen. (Richter sind selten BDSM-Anhänger und haben wenig Gespür für BDSM).

Die Garantenstellung ist zu beachten. Fixiert der Aktive den Passiven, ist er während der Fixierung für dessen Wohlergehen verantwortlich.

Nicht jeder Fall wird gleich gehandhabt, weil es unterschiedliche Meinungen/Richter gibt. Das ist in der Rechtspraxis üblich.

Gefährdung des Lebens:

Wird etwas getan, was das Leben gefährdet, liegt diese Norm vor, selbst wenn nichts geschah. Das betrifft die Praktik selbst, werden Sicherheitsmassnahmen nicht eingehalten oder kann sich der Passive nicht bemerkbar machen.

Die Gefährdung des Lebens ist eine weitgefasste Praxis. Der Aktive muss immer die Möglichkeit haben, denn Passiven aus seiner Zwangslage zu befreien und diese muss sich bemerkbar machen können.

Schwere Körperverletzung:

Schwere Körperverletzung liegt bei einer Behinderung, fehlendem Organ oder schweren Entstellungen vor.

Verfolgung erfolgt ohne Strafantrag, entgegen der einfachen Körperverletzung.

Einfache Körperverletzung:

Einfache Körperverletzung umfasst alle anderen Körperverletzung wie ein Schnitt, auch ein gebrochener Arm.

Wird grundsätzlich nur auf Strafantrag verfolg.

Vom Amtswegen wird einfache Körperverletzung nur verfolgt, handelt es sich um häusliche Gewalt – also um die Lebenspartnerin oder den Lebenspartner. Eine Einwilligung bleibt gültig. Leben Partner getrennt, greift die häusliche Gewalt nicht.

Auch wird bei einfacher Körperverletzung ermittelt, wurde eine Waffe oder gefährlicher Gegenstand verwendet. Ist bei der Verwendung bestimmter BDSM-Spielzeuge relevant und von der Sicht des Richters abhängig.

Tätlichkeit:

Ein blauer Fleck oder etwas Schmerz fällt darunter.

Freiheitsberaubung:

Eine Freiheitsberaubung liegt vor, hindert man jemanden, weggehen zu können.

Garantenstellung:

Wurde der Partner immobil gemacht, hat der Aktive die Garantenstellung. Alle aufgeführten Strafnormen sind möglich, hat der Aktive eine Garantenstellung. Fesselt er jemanden, hat er darauf zu achten, dass dieser sich nicht durch eine unwillkürliche Bewegung verletzt.

Grenze der Garantenstellung:

Ein Kunde einer Domina liess sich ein Prinzalbertpiercing machen. Er liess sich an dem festmachen, ging auf die Knie, wurde etwas schmoren gelassen, dann kam die Domina zurück und forderte ihn auf, zu ihr zu kommen. Anstatt, wie von ihr angenommen, auf den Knien zu bleiben, kam er ihr entgegen. Das Ergebnis: Erhebliche Verletzungen, Anzeige wegen schwerer Körperverletzung und Freispruch für die Domina vor dem Bundesgericht. Dieses befand, dass beim Einvernehmen eine gewisse Verantwortung beim Passiven bleibt.

Die Einwilligung

Generell:

1. Die Einwilligung darf keine Komponenten enthalten, die einer Person ernsthaften Schaden zufügen (Siehe Strafnormen)

2. Zeitlich und räumliche Begrenzung der Einwilligung. Bei Fixierungen/Freiheitsberaubung wichtig.

3. Schriftliche Fixierung der Praktiken, die angewandt werden.

4. Bei Schnitten, Vernähen, Branding, Spritzen und ähnlichen Bereichen ist eine explizite und klare Einwilligung erforderlich.

5. Ein Video bietet sich an, auf dem das einwilligende Gespräch genau zu verfolgen ist. Besonders bei grenzwertigen Praktiken zu empfehlen.

6. Ein Zeuge, der die Einwilligung bestätigt.

7. Kopfkino nicht unterschätzen. Passiver kann sich überschätzen und dann behaupten, dass er etwas nicht wollte.

Die Einwilligung ist ungültig:

1. Gefährdung des Lebens

2. Tötung

3. Schwere Körperverletzung

4. Kein Abbruch (Safeword) möglich ist.

Einwilligung in ein Risiko:

Die genauen Grenzen lassen sich nicht festlegen. Aber ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass etwas eintrifft, dass eine Einwilligung nichtig macht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es auch das Risiko tut.

Safeword:

Die Gerichte sagen, dass ein Boxkampf legal ist, weil der Boxer jederzeit das Handtuch werfen kann.

Im BDSM braucht es ein Safword.

Das Safeword muss offensichtlich und leicht auszusprechen sein.

Bein einer Knebelung muss das Safeword durch eine Geste ergänzt werden.

Sane:

Bei Unsicherheit über den Zustand des Passiven muss der Aktive sich vergewissern. Beispiel: Beim Facesitting durch Absitzen und Kneifen.

Sex:

Sex erfordert eine klare Einwilligung. Geschlechtsverkehr ohne Einwilligung ist eine Vergewaltigung, eingewilligter Geschlechtsverkehrt mit Kondom, kann eine Vergewaltigung sein, wurde das Kondom weggelassen.

Abbruch:

Der Aktive muss den Passiven jederzeit, unverzüglich und ohne spielerisches Element aus seiner Zwangslage befreien und sich um ihn kümmern müssen. Allfällige Werkzeuge für die Befreiung müssen in Griffweite sein.

Langer Zeitraum:

Keine Einwilligung ist dauerhaft.

Wird jemand länger immobil gemacht, sollte eine Zeugin anwesend oder es auf Video aufgezeichnet werden.

Tücken bei der Einwilligung:

Das Kopfkino/die Phantasie kann Panik auslösen, weil eine Person von etwas ganz Anderem ausgeht. Psychologische Spiele sind hier zu nennen.

Partner – besonders im professionellen Bereich – verschweigen Krankheiten. Besonders jene, die im Spiel gefährlich werden können. Herzkrankheiten gehören dazu.

Man kann versuchen, dass es Sache des Partners ist, ärztlich abzuklären, ob er BDSM-Tauglich ist, aber die Erfolgschancen stehen schlecht.

Unmöglich Abklärungen, aber gute Vorbereitung:

1. Im professionellen Bereich sollte es eine Einverständniserklärung des Gasts geben, dass die Domina im Notfall ohne Rücksicht auf seine Persönlichkeit Hilfe rufen darf.

2. Grössere Institute sollten auch einen Defibrilator besitzen.

3. Wurde alle nötigen Vorsichtsmassnahmen getroffen, kann die Staatsanwaltschaft nicht behaupten, man hat Schaden billigend in Kauf genommen.

Richtig reagieren:

1. Denn Passiven sofort aus der Zwangslage holen und ihn umsorgen

2. Erste Hilfe leisten, kam es zu Verletzungen, gegebenenfalls den Defibrilator einsetzen.

3. Notarzt und gegebenenfalls die Polizei rufen.

Worst Case:

Stirbt der Partner, sollte man nicht versuchen, die Leiche zu entsorgen. Du Spurensuche wird erschwert und die Staatsanwaltschaft geht von Vorsatz aus.

Sensible Praktiken

Rund um den Hals:

1. Würgen, Atementzug und alles, bei dem eine Dosierung schwierig bis unmöglich ist, bringt einen an den Rand eines Strafverfahrens.

2. Es gibt den Wunsch unterwassergedrückt und wiederbelebt zu werden. Geht es schief, handelt es sich wahrscheinlich um eventualvorsätzliche und nicht fahrlässige Tötung. Einwilligung nützt nichts.

3. Gegenseitiges Aufhängen bis zur Bewusstlosigkeit ist eventualvorsätzliche Tötung, stirbt einer. 10 bis 12 Jahre Gefängnis.

4. Bei Atemkontrolle, werden gut kontrollierende Techniken wie eine Gasmaske verwendet, muss man berücksichtigen, dass ein Herzkranker weniger verträgt.

5. Alles, was um den Hals geschieht, ist heikel, auch Würgen mit der Hand. Jedes Gericht wird verlangen, dass man den Karotissinusreflex kennt, ging mit ihm etwas schief.

6. Falsch eingesetzte Knebel können Würgereflexe auslösen und der Passive kann am Erbrochenen sterben.

7. Den Passiven immer beobachten, um schnell reagieren zu können und dazu passende Werkezuge bereitlegen.

8. Der Passive muss schnell befreit werden können, sonst ist jeder Straftatbestand möglich.

9. Herr Landmann rät von allem ab, was um den Hals liegt.

Knebeln:

Eine geknebelte Person darf nie alleine gelassen werden, auch nicht zehn Minuten. Er kann in den Knebel kotzen.

Die Art des Knebels ist wichtig, werden noch Höschen oder Strumpfhosen hineingestopft, können sie in den Rachen gelangen. Strumpfhosen sind schwer herauszubekommen.

Bei einem Tapeknebel sollte man wie bei der Rolle ein Ende umschlagen, um ihn schnell zu lösen.

Trampeling:

Beim Trampling muss es etwas geben, an dem der Aktive sich festhalten kann. Bricht eine Frau mit High Hiels ein, gibt es schwere Verletzungen, für die ein Richter wegen der offensichtlichen Gefahr wenig Verständnis hat.

Trampling Barfuss ist empfehlenswerter.

Branding:

Eine Einwilligung in ein Branding ist möglich, handelt es sich um eine Verbrennung oder eine Narbe. Der Passive muss klar sagen, um was für eine Wunde es sich handelt und wo sie sich befinden soll.

Entzündungen usw. können gefährlich werden, eine Aufklärung über die Risiken ist wichtig.

Mit Branding nähern wir uns dem Bereich, in den wir einwilligen können.

Klinik:

Bei Nähen gilt das Gleiche wie bei Branding.

Bei allen Klinikspielen ist es wichtig, auf die Hygiene zu achten. Sonst kann der Passive bei Problemen sagen, dass unsauber gearbeitet wurde und eine Anzeige erstatten.

Schneiden:

Handelt es sich nicht um Lebensgefährliche Stellen, ist eine Einwilligung in Schneiden möglich.

Spritzen setzen:

Eine Einwilligung in Spritzen setzen ist möglich. Es ist klar festzuhalten, was gespritzt wird und wo. Der Aktive muss wissen, welche Gefahren bei welche Körperstellen, Geweben usw. besteht.

Nadelspiele:

In Nadelspielen lässt sich einwilligen.

Hygiene, Zeuge und Gesundheit:

Wo Entzündungen, Infektionen, Sepsis usw. möglich sind, sollten die Hygieneregeln angewandt werden, die Ärzte anwenden.

Die Details der Praktiken Branding, Klinik, Schneiden, Spritzen und Nadelspielen sollten unter Anwesenheit eines Zeugen vereinbart werden, genauso die Belehrung der Risiken, wozu die Gefahr von Entzündungen und Co. gehören sowie der Hinweis, sofort einen Arzt aufzusuchen, kommt es zu entsprechenden Problemen. Weiter muss der Passive informiert werden, unter welchen Umständen die Praktiken nicht angewendet werden dürfen. Beispielsweise bei Blutverdünner.

Unter Anwesenheit von einem Zeugen nach heiklen Erkrankungen und Medikamenten fragen.

«Spezielle Verantwortung»

Täuschende Erregung:

Im erregten Zustand verändert sich das Schmerzempfinden. Der Passive verträgt mehr als im Standardmodus. Möglicherweise erkennt er seine eigenen Grenzen nicht mehr. Es ist Aufgabe vom Aktiven, zu achten, nicht so weit zu gehen, damit der Passive ernsten Schaden erleidet.

Wenn die Möglichkeit zur Einwilligung endet:

Ein Passiver kann nicht in Praktiken einwilligen, die bei einem gesunden Menschen weder schwere Schäden noch den Tod herbeiführen, hat er eine Krankheit oder nimmt er Medikamente, die dazu führen könnten.

Umgang mit Polizei und Staatsanwaltschaft

Aussageverhalten und Arbeitsweise der Behörden:

Bei falschen Beschuldigungen ist es klug, umfassend und ehrlich auszusagen. Anhand der Aussagen lassen sich Gegenstände oder Datenträger sicheren, die die eigene Version stützen. Folgt eine Aussage erst am Ende der Ermittlungen hat sie weniger Gewicht, weil sie anhand der Fakten angepasst werden kann.

Auf keinen Fall dürfen nachweislich falsche Aussagen gemacht werden. Fingerabdrücke verraten, dass man einen Gegenstand nutzt, Spermaspuren zeugen von Geschlechtsverkehrt usw. Genauso schlimm sind Halbwahrheiten. Diese Dinge untergraben die Glaubwürdigkeit.

Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte stellen Aussagen nicht nur gegenüber. Sie folgen dem Plausibilitätsprinzip. Die Beweisführung besteht aus Aussagen, gesichertem Material und gegebenenfalls Expertisen. Die eigene Aussage steht in Wechselwirkung zu allen anderen Komponenten und wird entsprechen gewichtet.

Haftung bei Workshops und Partys

Eine sehr komplexe Materie. Die Veranstalter sollten darauf achten, kein gefährliches Equipment zur Verfügung zu stellen.

Steht gefährliches Equipment zur Verfügung, sollte es einen Warnhinweis geben und das ein Veranstalter bei Verwendung hinzugezogen werden muss.

Die oberen beiden Absätze gelten auch für Tagesmitglieder von Vereinen.

Die Gründung eines Vereins als Träger der Veranstaltung ist zu empfehlen. Dieser legt einen Haftungsausschluss fest. Die Veranstalter haften nur noch für das, was sie selbst machen.

Diverses

Videobeweis und Zeugen:

Die Einwilligung eines Videos oder Zeugenaussagen werden nicht infrage gestellt, gibt es keinen plausiblen Grund dazu. Sie gelten als glaubwürdig.

Bei Aussagen ist das Plausibilitätsprinzip wichtig: Ist es logisch, was jemand sagt. Das eine Domina einen Kunden über die vereinbarte Zeit festhält, ist nicht plausibel, weil sie für die Zeit X bezahlt wurde und es geschäftsschädigend wäre, jemanden wirklich zu quälen.

Überzogene Einwilligung:

Der Vorwurf der Freiheitsberaubung kommt am häufigsten vor. Der Passive behauptet, er wurde länger festgehalten, als vereinbart wurde. Ging es etwas über die Zeit, kann zugunsten vom Aktiven entschieden werden, bei längerer Zeit oder Folgeschäden nicht.

Versicherungen:

Die Umfallversicherung macht bei massivem Selbstverschulden Abzüge.

Im professionellen Bereich ist es fast unmöglich eine Haftpflichtversicherung zu finden.

Geht etwas schief, muss man beweisen, dass man alles richtigmachte. Das ist machbar.

Bei Kleinigkeiten gibt es kaum Probleme, geht es um Kosten von Behinderungen und Verdiensthausfällen, gibt es erhebliche Probleme.

Der zivilrechtliche Teil steht und fällt mit dem Strafrechtlichen.

Pornografie:

Verbotene Pornografie ist mit Kindern, Tieren oder eigentlichen Gewaltdarstellungen.

Es gibt Urteile, die eine reine Immobilisierung nicht als Gewaltdarstellung bezeichnen. Reines Bondage ist kein Problem.

Schwere physische Schädigungen, auch wenn sie gespielt sind, sind verboten.

Korrespondenz und Einwilligung:

Eine E-Mail, in dem jemand in Praktiken einwilligt, ist eine gültige Einwilligung, weil es ein Faktum ist.

Haftungsausschluss

1. Der Autor fasste den Rechtsanwaltsvortrag vom 08.10.16, der von Dr. jur. Valentin Landmann im Volkshaus Zürich, Gelber Saal, gehalten wurde, gemäss der Videoaufnahme nach bestem Wissen zusammen.

2. Die Zusammenfassung wurde nicht von Dr. jur. Valentin Landmann überprüft oder ihm zur Ansicht unterbreitet.

3. Der Autor übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen.

4. Der Autor stellt klar, dass die Zusammenfassung nicht ergänzt wird und nicht an gesetzlichen Änderungen und veränderte gerichtlichen Praxis angepasst wird.

5. Der Autor stellt klar, dass es sich um keine Rechtsberatung handelt.

6. Der Autor übernimmt keine Haftung für direkt oder indirekt entstehende sowie materiellen und immateriellen Schäden durch die Nutzung oder Nichtnutzung dieser Informationen.

7. Der Autor übernimmt keine Haftung für Schäden, die durch die Weiterverbreitung diese Informationen auf allen Kommunikationswegen entstehen. Die Weiterverbreitung erfolgt auf eigenes Risiko.

8. Der Autor rät im Falle von juristischen Problemen oder für die Abklärung juristischer Risiken einen Anwalt zu konsultieren.

© Omegas Horizon

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Liebe an der Schmerzgrenze

Die Leichtigkeit des Leidens – 16 Gespräche über den Reiz des Sadomasochismus

Wie der Untertitel schon sagt haben die Autoren für dieses Buch 16 Menschen und Paare interviewt. Daraus entstanden ist eine wunderbare Bandbreite an Erfahrungen, Fantasien und Meinungen zu BDSM. Von gelegentlichen Spielen über regelmäsige Spielbeziehungen bis zu 24/7 und TPE (Total Power Exchange) ist alles vorhanden. Auch bei den Personen sind mit der 20-jährigen Studentin, der 32-jährigen Domina, dem 55-jährigen IT-Berater und vielen anderen eine grosse Vielfalt an Individuen anzutreffen. Jeder einzelne lässt uns anschaulich und reflektiert an seinem BDSM teilhaben.

Die Auseinandersetzung mit Sexualität, Schmerz, Dominanz und Submission werden einem in diesem Buch näher gebracht. Jedes der Gespräche hat seinen ganz eigenen Charakter und zeigt die persönliche Sicht auf BDSM der interviewten Person auf. Auch Aspekte des BDSM, welche einem bis anhin unverständlich waren, sind nach der Lektüre besser greifbar.

Er einzige Kritikpunkt ist für mich die vorwiegend heterosexuelle Betrachtung. Trans*themen sind sogar komplett inexistent. Dies ist aber wirklich die Nadel im Heuhaufen, das Buch ist sehr gut geschrieben und auch vom Inhalt absolut empfehlenswert, sei es für Neulinge, alte Hasen oder um Nicht-BDSMlern einen Einblick in unsere Welt zu geben.

Tim Bussen & Stephanie Maria
LIEBE AN DER SCHMERZGRENZE
Die Leichtigkeit des Leidens – 
16 Gespräche über den Reiz des Sadomasochismus
320 Seiten | Taschenbuch
ISBN 978-3-89602-584-5

Geschrieben von …13…

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Neuling?

Waren wir doch alle mal…

Der Einstieg in die weite Welt des BDSM kann sehr verwirrend sein. Keine Sorge, Bedenken, Ängste und Unsicherheiten haben fast alle mal begleitet. Ein perfekter Dom oder ein perfekter Sub ist auch noch nie vom Himmel gefallen und deshalb empfehle ich einfach mal locker durch die Hose zu atmen. BDSM bedeutet zwar irgendwie anders zu sein und doch wird es je länger man es praktiziert, zur ganz persönlichen Normalität.

Aber erstmal von Anfang an. Im BDSM gibt es keine Richtlinien was Dom oder Sub zu tun hat, das hängt stark von der jeweiligen Neigung ab. Sehr wichtig ist es jedoch, dass alles einvernehmlich geschieht, ansonsten verliert man sehr schnell den Spass an der eigentlich schönsten Sache der Welt – und damit meine ich nicht Sex, sondern BDSM. BDSM in seiner reinen, facettenreichen Form.

Wichtig ist es, dass der Einstieg gut verläuft. Tja und wie steigt man richtig ein? Es gibt kein richtig oder falsch. Bisschen schnuppern kann man sicher ganz gut an einem Stammtisch. Dort lernt man die BDSMler als ganz normale Menschen kennen. Dort wird einem überhaupt mal bewusst, welche Bandbreite an Menschen an BDSM interessiert sind und es Praktizieren. Dann gibt es noch Foren wie unseres hier. Der grösste Vorteil an Foren ist bestimmt die Anonymität die zwar gegeben ist, man sich aber dennoch ungeniert austauschen kann. So kann auch mal die ein oder andere Frage, für die man sich vielleicht ein wenig schämt stellen und man bekommt seine Antworten. Des weiteren gibt es noch diverse Plattformen im Internet. Diese sind ideal um online erste Erfahrungen mit dem Spielen an sich zu machen. Meistens wird dann von online-Erziehung oder ähnlichem gesprochen. Diese Plattformen bergen jedoch auch Gefahren, denen man sich stets bewusst sein muss. Möchte man sich mit einer Person treffen, sind gewisse Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Im BDSM spricht man dabei vom sogenannten Covern.

Und dann wären da noch diese Fantasien, Hirngespinste oder ganz simpel, das Kopfkino. Diese können eine wilde Gefühlsachterbahn auslösen. Viele haben mit den Moralvorstellungen der Gesellschaft zu kämpfen „sowas macht man doch nicht“ oder „sowas ist doch krank“ sind oftmals Gedanken, die man in den meisten Fällen einfach mal beiseite räumen muss. Ja, im Grunde genommen schlägt oder demütigt man keine anderen Menschen. Im BDSM ist das jedoch nochmals etwas ganz anderes. Da alles im gegenseitigen Einverständnis passiert, kann man die Moral mal getrost unter den Teppich kehren und machen wozu man selbst und das Gegenüber Lust hat. Mit der Zeit weichen diese Bedenken der immer mehr aufblühenden Fantasie und es tun sich unglaubliche Dinge auf. Es ist etwas wundervolles, wenn man bemerkt dass der andere Part genau solche Freude und Leidenschaft für das Spiel und die Fantasien entwickelt, wie man selbst auch.

Geschrieben von Jade

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Covern

Nun hast du also im Netz jemanden kennen gelernt und ihr möchtet euch gerrn treffen.
Dass das erste Treffen auf neutralem Boden an einem öffentlichen Ort stattfinden sollte ist wohl allen klar. Dazu bietet sich eine Bar, ein Restaurant oder ein Spaziergang an einem gut frequentierten Ort an. Auch gern genutzt werden Stammtische, wenn die Chemie nicht stimmt kann man immer noch mit jemand anderem sprechen.
Gut ist es, wenn man sich Referenzen über die Person holt. Die BDSM Szene in der Schweiz ist relativ klein und man kennt sich.
Zusätzlich kann man sich Covern lassen. Dies mag bei einem öffentlichen Treffen etwas übertrieben erscheinen, ist aber beim ersten privaten (Spiel)treffen unerlässlich. Es gibt verschiedene Möglichkeiten dazu. Allen gleich ist, dass man einer Vertrauensperson alle relevanten Daten des Dates gibt, also vollständiger Name, Nickname inkl. Plattform, Adresse, Telefonnummer, Ort und Zeit des Treffens.
Dies allein gibt schon einige Sicherheit. Zusätzlich kann man mit der Vertrauensperson absprechen, dass sie einen in bestimmten Abständen oder zu einer bestimmten Zeit anruft oder das man sich bei ihr meldet. Zusätzlich sollte ein unverfänglicher Codesatz abgemacht werden. Beispielsweise „Mir geht es EIGENTLICH gut“ bedeutet „Hol mich hier raus“. Es sollte abgesprochen sein, wie die Vertrauensperson in so einem Fall reagiert, ob sie in 5 Minuten nochmal anruft um zu sagen, dass die Katze vom Auto angefahren wurde und man sofort kommen muss oder ob sie selber vorbei kommt um einem abzuholen oder die Polizei einschaltet. Für die verschiedenen Varianten können auch unterschiedliche Sätze abgesprochen werden.
Ganz wichtig ist, dass man dem Date vor dem Treffen sagt, dass man sich Covern lässt und wie dies geschieht. Wenn das Date darauf komisch reagiert ist dies ein Warnsignal.
Beim Covern ist es völlig egal, ob du Top oder Bottom bist und auch welchem Geschlecht du angehörst. In der richtigen Situation ist jeder/r ausgeliefert (ja, auch der Top, man stelle sich vor, er lässt sich vom Bottom Oral befriedigen und dieses beisst in das beste Stück…)

Geschrieben von …13…

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Das alternative Beziehungs-ABC

Was gibt es eigentlich so neben der klassischen monogamen Päärchenbeziehung? Eine Übersicht.:

Asexuelle Beziehung
Auch asexuelle Menschen gehen Beziehungen ein. Für manche ist sexueller Kontakt in dieser Beziehung keine Option – wohl aber romantische Aktivitäten wie kuscheln. Falls die andere Person nicht asexuell ist, ist eine offene Beziehung eine von vielen möglichen Lösungen. Andere Asexuelle wiederum lassen sich auf Sex ein, weil es für sie eine romantische Aktivität ist («kuscheln++»), oder der_m Partner_in zuliebe.

Beziehungsanarchie ist eine Variante der Polyamorie. Während bei der Polyamorie wichtig ist, dass mensch mit allen involvierten Personen offen kommuniziert, werden bei der Beziehungsanarchie die verschiedenen Beziehungen strikt getrennt, nach dem Motto «Was ich mit anderen Menschen mache, geht dich nichts an».

C

D/s-Beziehung
Dies ist eine Beziehungsform aus der BDSM-Welt. «D» steht für Dominanz, «s» für Submission (Unterwerfung). In dieser Beziehung hat die dominante Person jederzeit das Sagen. Varianten gibt es, ob das Machtgefälle dauernd besteht (24/7), oder nur zu bestimmten Zeiten oder an gewissen Orten (zum Beispiel in der eigenen Wohnung).

Einverständnis
Egal was ihr macht – redet vorher mit eure_r_n Partner_in_nen darüber, und entscheidet euch für eine Lösung, mit der alle involvierten Personen einverstanden sind. Falls jemensch übergangen wird, ist Drama garantiert!

Freund*_?!in
Bei Menschen, welche aus dem binären Männlich-weiblich-Schema fallen, stellt sich die Frage, als was mensch diese bezeichnen will/soll/kann/darf. «Partner» funktioniert auf Deutsch nicht so gut wie im Englischen, wo dieser Begriff geschlechtsneutral ist. «Lover» wäre eine von vielen Möglichkeiten, impliziert aber weniger Verbindlichkeit. Oder ihr entscheidet euch für ganz andere Bezeichnungen wie Zuckerschnäuzli oder Nestwärmerchen =)

Gegenseitigkeit
In nicht-monogamen Beziehungen werden nicht immer beide involvierten Menschen von den vereinbarten Freiheiten im gleichen Ausmass Gebrauch machen. Dies kann so weit gehen, dass die eine Person rein monogam lebt. Ein gutes Beispiel dafür ist eine Beziehung zwischen zwei Personen mit sehr unterschiedlicher sexueller Aktivität: Die eine Person bekommt in der Beziehung alle ihre Bedürfnisse erfüllt, während die andere mehr Abwechslung braucht.

Hauptbeziehung
In offenen (und auch vielen polyamoren) Beziehungen kann es Hierarchien zwischen den Beziehungen geben; oft gibt es eine Hauptbeziehung. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn diese zwei Personen im gleichen Haushalt leben, verheiratet sind, sogar gemeinsame Kinder haben – während die andere(n) Beziehung(en) weniger langfristig, oberflächlicher oder auch einfach geografisch weiter entfernt sind.

I

J

Kommunikation
Die eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen kommunizieren zu können ist ein absolut zentrales Element von allen Beziehungen. Mit mehreren Partner_innen steigt auch der Kommunikationsaufwand! Gute Kommunikation kann gelernt werden: Hängt der Haussegen wegen schlechter Kommunikation schief, dann versucht herauszufinden, was ihr daran verbessern könnt.

L

Monogamie
Solche Auflistungen erwecken oft den Eindruck, dass Monogamie veraltet und uncool ist. Dies ist natürlich nicht der Fall; genauso wie eine Hetero-Beziehung nicht uncooler ist als eine Queere. Dass Monogamiesie für viele Leute aber die unpassende Beziehungsform ist, das zeigen Statistiken zu Seitensprüngen immer wieder eindrücklich.

N

Offene Beziehung
Die offene Beziehung ist die wohl verbreitetste Variante nach der Monogamie. Eine Liebesbeziehung zwischen zwei Menschen wird dabei für (mehr oder weniger regelmässige) sexuelle Abenteuer mit anderen Leuten geöffnet. Ob über die Erlebnisse ausserhalb der Beziehung gesprochen wird oder nicht, solltet ihr vorher abmachen.

Polyamorie
Während in einer offenen Beziehung eine Liebesbeziehung mit mehreren Sexpartner_innen kombiniert wird, gibt es in der Polyamorie mehrere neben- und/oder miteinander existierende Liebesbeziehungen. Die Beziehungen können räumlich und zeitlich getrennt gelebt werden, zum Beispiel heute mit Partner A, morgen mit Partnerin B. Es gibt aber auch Poly-Gruppen, welche zusammen wohnen und alle mit allen irgendwie verbandelt sind.

Queer
Nicht-monogame Beziehungen sind nicht per se etwas Queeres, die Überschneidung der queeren Subkultur mit alternativen Beziehungsformen ist aber sehr gross. Dies ist auch bei anderen Subkulturen der Fall, welche klassisch kirchliche Wert- und Moralvorstellungen über den Haufen werfen, zum Beispiel in der BDSM-Szene.

R

Swingen ist eine rein sexuelle Form nicht-monogamer Lebensweise. An Swinger-Partys (entweder in privatem Rahmen oder in Swingerclubs) haben Swinger_innen Sex mit – je nach dem ganz vielen – anderen Swingenden. Die meisten kommerziellen Swingerclubs richten sich an ein heterosexuelles Publikum , und haben oft eine gegenderte Preispolitik: viel günstiger für Frauen, teurer für Männer.

Terminkalender
Mit steigender Anzahl involvierter Leute steigt auch der Koordinationsbedarf. Online-Tools wie Google Calendar oder ein Gruppenchat auf Whatsapp können super Hilfsmittel sein.

U

Vertrauen
Ja, auch in einer offenen Beziehung kann mensch den_die Partner_in betrügen; zum Beispiel wenn eine Affäre entgegen der Abmachung nicht kommuniziert wird. Besonders wichtig ist, dass ihr eurem_r_n Partner_inn_en vertrauen könnt, dass sie sich an eure Abmachungen bezüglich Safer Sex halten.

Weitere Informationen
Dies ist nur ein kurzer Anriss von einigen Möglichkeiten. Falls dich etwas davon angesprochen hat: Im Internet findet sich zu allem weitere Informationen. Zu jeder Beziehungsform gibt es Foren und Blogs, wo Leute über ihre Erfahrungen damit berichten. Du hast lieber Papier? Das Buch «The Ethical Slut» von Dossie Easton und Janet W. Hardy gilt als Standartwerk zum Thema nicht-monogame Beziehungen.

X

Y

Ziel
Der Weg zum Ziel der für dich perfekten Beziehungsform kann sehr lang sein. Manchmal ein Leben lang. Bis dorthin kannst du viele tolle Menschen kennenlernen, dich in einige davon verlieben, mit jedem davon etwas besser machen als früher, und du wirst trotzdem immer wieder auf die Nase fallen. Niemensch kann dir sagen, wo genau du hin willst, aber einige andere Menschen sind auf dem Weg in die gleiche Richtung. Macht zusammen den Weg zum Ziel, lernt voneinander und aus jedem neuen Erlebnis, und vor allem: Habt Spass dabei!

Geschrieben von ralph_himself

Auch veröffentlicht im Milchbüechli, Ausgabe #16 (Juni ’16)

Wenn euch zu einem der fehlenden Buchstaben noch etwas einfällt schreibt uns doch eine Mail an info@ig-bdsm.ch.

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YKINMKBYKIOK

Oder ausgeschrieben: Your kink is not my kink but your kink is ok.
Zu Deutsch: Deine Vorliebe ist nicht meine Vorliebe aber deine Vorliebe ist OK.
Dies sollte die oberste Regel im Umgang mit anderen verantwortungsbewussten BDSM praktizierenden sein. Unsere Welt ist so vielfältig, die einen mögen Seile, andere Schmerzen, wieder andere Erniedrigung, und die nächsten noch etwas anderes.
Nur weil man selber etwas nicht versteht heisst dies nicht, dass es schlechter ist als die eigene Vorliebe. Dies soll nicht heissen, dass man alle Vorlieben verstehen muss. Jedoch sollte man sie respektieren so wie man für die eigene Vorliebe Akzeptanz erwartet.
Es ist klar, dass es beispielsweise mehr Menschen gibt, welche Corsetts toll finden als solche, die auf Windeln stehen. Dennoch hat beides seine Berechtigung und sollte auch so behandelt werden.

Wir sind eine eher kleine Szene, welche leider von vielen Menschen mit Skepsis betrachtet wird. Es wäre schade, wenn wir selber einen Teil der Szene ausschliessen nur weil wir nichts mit deren Vorliebe anfangen können. Dies führt nur zu einer Abspaltung und vielen kleinen Szenen in der Szene was schlussendlich nichts zur allgemeinen Akzeptanz von BDSM beiträgt.

Geschrieben von …13…

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Nichtgeschlechtsverkehr

Bei erogenen Zonen denken die Meisten nur an Geschlechtsteile, dabei gibt es so viel mehr: eine Erkundungstour.

Gründe zum Spielen mit den erogenen Zonen abseits der primären und sekundären Geschlechtsteile gibt es viele: Du sehnst dich nach Intimität und Berührungen, hast aber keine Lust auf Sex. Ihr fühlt euch miteinander verbunden, aber noch nicht genug für Geschlechtsverkehr. Du willst Spass ohne dir Gedanken zu machen bezüglich sexuell übertragbaren Krankheiten (STD/STI) oder Verhütung. Ihr wollt euer Vorspiel intensiver gestalten, euch einfach etwas Gutes tun oder mehr über euren Körper lernen.

Die erogenen Zonen sind bei jedem Mensch verschieden — dies ist zugleich eine Herausforderung wie auch eine riesige Chance! Im allgemeinen sind erogene Zonen dort, wo viele Nervenenden sind. Weitere gute Kandidaten sind nur knapp unter der Haut liegende Knochen und grosse Muskelgruppen. Was für Berührungen ihr an diesen Stellen mögt kann sehr unterschiedlich sein. Vom sanften Streicheln mit nur einem Finger über Kratzen mit den Nägeln, mit wenig oder viel Druck, kneiffen, lecken oder beissen: Schlussendlich führt kein Weg am ausprobieren vorbei. Grosse Muskelpartien sind nahezu unverwüstlich und vertragen ein kräftiges Zugreiffen. Bei Knochen und Gelenken solltest du aber vorsichtig sein, dort kann es leicht weh tun. Auch bei der Länge der Bewegungen gibt es Varianten, von kleinen lokalen Streicheleinheiten bis Rückenkratzen über die gesamte Länge der Wirbelsäule vom Haaransatz bis unter die Pobacken. Wie so oft im Leben macht Abwechslung den besten Effekt.

Falls ihr (mindestens) zu zweit seid, gebt euch Rückmeldungen. Geschlossene Augen, der leicht geöffnete Mund, ein kräftiger Atemzug kombiniert mit einem „Ah“ oder „Oh“ oder Gänsehaut am ganzen Körper sind offensichtliche Zeichen, aber ein konkretes „ja, genau dort!“ oder „weniger Fingernägel“ kann nie schaden.

Auch bei der Stellung gibt es viele Varianten, welche sich je nach Körperteil mehr oder weniger eignen. Bei gegenseitigen Interaktionen an Kopf, Hals und Rücken ist auf dem Bett sich gegenüber knien eine gute Option, da alle vier Arme zur Verfügung stehen. Beim umschlungen im Bett liegen fallen einer oder sogar zwei Arme aus, dies macht die Bettdecke je nach Temperatur aber locker wett. Für einseitige Streicheleinheiten kann eine Person auf den Bauch liegen und einfach geniessen, während sich der_die Andere_n der gesamten Rückseite von oben bis unten widmen.

Ich werde hier von Kopf bis Fuss erläutern, wo du am besten anfängst zu suchen. Diese Empfehlungen sind zum Teil sehr subjektiv, da vieles davon aus meinem persönlichen Erfahrungsschatz stammt. Sehr wahrscheinlich gibt es an deinem Körper ganz andere, völlig unerwartete Stellen, welche sich super anfühlen — also nach abarbeiten dieser Liste nicht aufhören, sondern weitersuchen! Und noch etwas: lasst euch gaaaaaaaaaaaaanz viel Zeit dabei. Es gibt nichts unentspannteres als nervöse, hastige Bewegungen.

Beim Kopf kannst du kaum etwas falsch machen, da ist alles voller Nerven. Ganz besonders empfehlenswert sind die Lippen (eventuell vorher den Finger mit etwas Speichel anfeuchten) und der gesamte Haaransatz. Je nach Haarlänge kannst du dich in einen Büschel Haare verkrallen und leicht daran ziehen. Manche mögen Berührungen an den Ohren: Mit dem Finger hinter dem Ohr oder durch die Ohrmuschel durchfahren, das Ohr kneiffen, am Ohrläppchen ziehen oder sogar leicht zubeissen. Bei den Knochen sind der Kiefer bis unter die Ohren und die oberen Wangen gute Kandidaten.

Weiter geht es mit dem Hals. Hier solltest du eher vorsichtig sein, da zu kräftiger Druck am Kehlkopf und den Halsschlagadern schnell schmerzhaft sein kann. Leichtes streicheln und vorsichtiges Knabbern auf allen Seiten kommt aber fast immer sehr gut an.

Die Schultern haben einen knochigen Teil (Schultergelenke, Schlüsselbein) und einige oft verspannte Muskeln. Falls du massieren kannst, darfst du gerne kräftiger zugreiffen. Lange, zusammenhängende Streichelbewegungen von den Schultern bis hinauf ins Gesicht oder in die Haare sind ein guter Versuch.

Die Arme sind vor allem auf der Innenseite sensibel. Der eigentliche Geheimtipp sind aber die Hände — mehr Nerven haben wirklich nur die Geschlechtsteile. Halte die Hand mit der Handfläche zu dir, und streichle mit den Fingern ganz leicht über die Handfläche und die Finger, danach zwischen den Fingern. Stecke deine Finger ganz zwischen den Fingern durch und fahre in alle Richtungen. Auf dem Handrücken machst du weiter, falls es kitzelt nimmst du mehr Nägel zu hilfe. Nimm die Fingerspitzen in deine Hand und drücke sie etwas zusammen, oder ziehe leicht daran.

Beim Torso sind der gesamte Rücken inklusive Pobacken und die Seiten von der Hüfte bis hinauf zu den Achseln eine Empfehlung, mit einem speziellen Hinweis auf den seitlichen Brustansatz. Der obere Rücken ist dank dem Brustkorb und starken Muskeln sehr robust, hier kannst du richtig fest drücken; der Übergang zu einer Massage ist sowieso fliessend. Die Pobacken ertragen auch einiges, hier kannst du sogar den Ellenbogen oder das Knie zuhilfe nehmen für mehr Druck. Auf der Vorderseite sind die Brustwarzen, welche bei vielen Männern erogener sind als als gemeinhin angenommen. Achtung, sie können sehr empfindlich sein oder bei entsprechender Behandlung schnell überreizt werden. Bei gefallen kannst du kräftig kneiffen und daran ziehen oder vorsichtig reinbeissen.

An den Beinen gibt es nicht so viele Nerven, aber dafür umso grössere Muskeln. Besonders die Wade lässt sich sehr gut greiffen: Fasse möglichst viel davon mit einer Hand und drücke etwas zu, während du mit den Fingernägeln der anderen Hand die angespannte Haut kratzt, oder mit dem Daumen den Grenzen der einzelnen Muskelgruppen entlang fährst.

Ein weiterer Geheimtipp sind die Füsse, welche ebenfalls sehr viele Nerven haben. Dies kann schon oberhalb des Knöchels beginnen. Im Grossen und Ganzen empfiehlt sich ein ähnliches Vorgehen wie bei den Händen, mit dem Unterschied dass die Ferse und der Fussballen wegen der sehr dicken Haut stärkere Stimulation ertragen. Punktuell starker Druck ist für den Fuss kein Problem und ergibt eine ausgezeichnete Fussmassage.

Das Empfinden all dieser Berührungen hängt immer von der Tagesform ab. Es lohnt sich also, ab und zu wieder neue Körperstellen auszuprobieren; vielleicht kommen sie ja plötzlich besser an als in der Vergangenheit. Ausserdem können die Empfindungen mit einfachen Spielzeugen variiert werden, zum Beispiel mit einer Feder oder einem Eiswürfel. Mit einer Augenbinde oder sogar einem Gehörschutz kann der Berührungssinn stärker in den Vordergrund gerückt werden.

Und nun wünsche ich euch viel Spass beim Erkunden und Geniessen!

Geschrieben von ralph_himself

Auch veröffentlicht im Milchbüechli, Ausgabe #18 (voraussichtlich, Dez ’16)

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